Auf Föhr war es zuletzt sehr winterlich. Trotzdem lief das Wärmenetz Süderende Oldsum bisher ausschließlich mit dem kleinen Wärmespeicher als Puffer – so wie in den letzten Jahren auch. Der neue große Wärmespeicher musste aktuell noch nicht einbezogen werden, steht aber als Reserve für längere Kältephasen bereit.
2025 haben wir mit unserer Energiegenossenschaft Föhr eG viel erreicht.
Den Bau der Solarthermieanlage konnten wir im Sommer erfolgreich abschließen. Damit reduziert sich die Abhängigkeit unseres Wärmenetzes von Erdgas in den Sommermonaten ganz erheblich. Wie es mit der Umstellung auf Erneuerbare Energien weitergehen kann, zeigt ein von uns beauftragter Transformationsplan, der Anfang Dezember vorgestellt wurde.
„Genossenschaften sind die Lösung für viele globale Herausforderungen unserer Zeit. Sie tragen entscheidend dazu bei, die nachhaltigen Entwicklungsziele der Weltgemeinschaft zu erreichen. Sie fördern regionales Unternehmertum, ermöglichen den Zugang zu Märkten und bekämpfen weltweit Armut und soziale Ausgrenzung. Genossenschaften gestalten eine bessere Welt.“ UN-Generalsekretär António Guterres, 2025
Bis 2030 müssen Wärmenetze zu einen Anteil von mindestens 30% aus erneuerbaren Energien gespeist werden. Das ist gesetzlich geregelt.
Der letzte Woche vorgestellte Transformationsplan zeigt zwei Varianten, wie sich das für Süderende und Oldsum umsetzen lässt: entweder mit einer Großwärmepumpe oder mit einem Heizkessel zur Verbrennung von Reet und weiterer Biomasse. Eine Kostenreduzierung ist über die Inanspruchnahme der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) möglich.
Der Transformationsplan für Süderende und Oldsum stellt unterschiedliche Konzepte vor, wie sich die Abhängigkeit von Erdgas für das Wärmenetz reduzieren lässt. Eine sogenannte Sensivitätsanalyse untersucht, wie sich die Kosten der Wärmeerzeugung bei den einzelnen Konzepten ändern, wenn z.B. Preise für Gas oder Strom besonders hoch oder niedrig sind.
Mit der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) wird die Dekarbonisierung von Wärmenetzen gefördert.
Der Transformationsplan für das Wärmenetz Süderende Oldsum ist nach BEW förderfähig. Der Plan soll mögliche Schritte zu einer Treibhausgas-Neutralität bis 2045 aufzeigen. Für die erforderlichen Maßnahmen kann es dann wiederum BEW-Fördermittel geben.
2015 hat die Weltklimakonferenz in Paris beschlossen, die durch den Treibhauseffekt verursachte Erderhitzung zu begrenzen. Um das zu erreichen, darf in absehbarer Zeit kein zusätzliches Treibhausgas mehr in die Atmosphäre gelangen. Ziel ist eine ausgeglichene Treibhausgas-Bilanz, die als Treibhausgas-Neutralität bezeichnet wird.
Ist ein Treibhausgas-Ausstoß nicht vermeidbar, muss zum Ausgleich der Treibhausgas-Bilanz die entsprechende Menge Treibhausgas aus der Atmosphäre entnommen werden. Dies ließe sich zum Beispiel durch die Aufforstung eines Waldes erreichen, der das Treibhausgas beim Wachstum bindet.
Einen Weg zur Treibhausgas-Neutralität für das Wärmenetz Süderende Oldsum zeigt der von der Energiegenossenschaft Föhr eG beauftragte Transformationsplan.
Föhr liegt in Windzone 4, die die höchste mittlere Windgeschwindigkeit Deutschlands hat. Gerade im Herbst und Winter, wenn die Sonne nur wenig scheint, lässt sich hier mit einer Windenergieanlage (WEG) sehr viel sauberer Strom gewinnen. Eine Groß-Wärmepumpe könnte damit Wärme für das Wärmenetz Süderende Oldsum erzeugen.
Föhr hat viele Reetdachhäuser, sodass immer wieder Reet zu entsorgen ist. Reet hat einen etwas höheren Heizwert als Holz. Das Verbrennen von Reet-Abfall in einem dafür geeigneten Ofen könnte also ein möglicher Baustein bei der Wärmeerzeugung für das Wärmenetz Süderende Oldsum sein.
Reet, Holz und andere nachwachsende Rohstoffe speichern im Wachstum CO2, das sie dann beim Verrotten – oder Verbrennen – wieder abgeben. Es handelt sich somit um einen ausgeglichenen CO2-Kreislauf. Im Unterschied dazu wird beim Verbrennen von Gas CO2 freigesetzt, das von selber nicht in die Atmosphäre gelangen würde.